Diabetiker im Altenheim

In der Altersgruppe der über 70-Jährigen leiden ca 20% an Diabetes mellitus. In Pflegeeinrichtungen liegt ihr Anteil sogar bei über 25%, wobei hier über 40% eine Insulintherapie benötigen. Diese Tatsache stellt bei der Pflegeplanung hohe Anforderungen an die Pflegefachkräfte, da viele Besonderheiten zu berücksichtigen sind. Auch der Sozialdienst ist hier mit einem vielfältigen, abwechslungsreichen Beschäftigungsangebot gefordert, die Senioren zu Bewegung und Aktivitäten anzuleiten.

Altersspezifische Symptome

Die Diabetesbehandlung im Alter setzt meist andere Prioritäten, als beim jüngeren Menschen. Die Hypoglykämievermeidung und die Erhaltung der Selbsthilfefähigkeit sind wichtige Ziele. Die europäische und amerikanische Diabetesgesellschaft definiert aktuell folgende Stoffwechselziele für Diabetiker:

  • Der Beginn einer medikamentösen antihyperglykämischen Therapie sollte erst erfolgen, wenn der Nüchternblutzucker mehrfach über 108 mg/dl (6mmol/l) liegt
  • Auch leichte Hypoglykämien unter 90mg/dl(unter 5mmol/l) sollen vermieden werden
  • Im Tagesverlauf sollte kein Blutzuckerwert über 198mg/dl(über11mmol/l) auftreten
Der PflegeOrganizer erstellt ein Diagramm mit Informationen der injizierten Insulineinheiten im Vergleich zum gemessenen Blutzucker.

Der PflegeOrganizer erstellt ein Diagramm mit Informationen der injizierten Insulineinheiten im Vergleich zum gemessenen Blutzucker.

Da diese Altersgruppe meist unter weiteren Erkrankungen leidet, ist ein ausführliches Assessment zur Erfassung der Selbsthilfefähigkeit notwendig. Dadurch, dass die Ernährung, die Mobilität, die vorhandenen Schmerzen und auch die kognitiven Fähigkeiten starke Auswirkungen auf den Diabetes haben, müssen der Expertenstandard Ernährung, der Expertenstandard Schmerzmanagement, der Expertenstandard Dekubitus und die Alltagskompetenz gründlich erarbeitet werden.

Behandlung im Pflegeheim

Das wichtigste Ziel für die Pflegekräfte ist die Erhaltung und Steigerung der Lebensqualität des älteren Menschen. Um diese Ansprüche zu erreichen, ist eine ausgewogene Ernährung mit dem Ziel eines Normalgewichts und eine Förderung der Mobilität notwendig und muss ständig überwacht werden. Vor allem aber eine gute Einstellung des Diabetes mit Kontrollen des Blutzuckers und HbA1c-Wertes sind notwendig, bis sich der Senior im Pflegeheim eingelebt hat und seinen Tagesrythmus gefunden hat. Bei mehr als einem Drittel der Diabetiker Typ 2 reicht die orale Diabetestherapie nicht aus, zumal mehr als zwei verschiedene Diabetikermedikamente wegen der erhöhten Hypoglykämiegefahr nicht kombiniert werden sollen. Eine Kombination von oralen Antidiabetika und Basalinsulin ist bei ausgeprägter Insulinresistenz sinnvoll.

Beim Diabetiker ist eine regelmäßige Begutachtung der Füße und der Haut anzuraten, um Folgeerkrankungen wie den diabetischen Fuß frühzeitig zu erkennen. Auch Augenarztkontrollen müssen geplant und die weiteren Erkrankungen der Senioren gut behandelt werden, da die Kombination Bluthochdruck und Diabetes die Wahrscheinlichkeit für Folgeerkrankungen um das 3 bis 5-fache steigert.

Der Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c gibt Auskunft über die Blutzuckerwerte der letzten acht Wochen und sollte sinnvollerweise unter 7,0% liegen. Bei einem Wert über 8,0% kommt es zu hyperglykämischen Symptomen wie Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und das Risiko, an den Spätfolgen des Diabetes mellitus zu erkranken, steigt. Patienten mit einem HbA1c Wert unter 7,5% haben nach neuesten Studienergebnissen bei Diabetes Typ 2 die geringste Mortalität. Leider wird der Laborwert HbA1c trotz seiner starken Aussagekraft häufig nicht regelmäßig ermittelt.

Beate Müller

Frau Müller ist staatlich geprüften Krankenschwester mit Zusatzausbildung zur Fachschwester. Nach der Ausbildung zur Stationsleitung und 15 Jahren Erfahrung in der Intensivmedizin kam der Wechsel zur ambulanten Altenpflege. Frau Müller absolvierte eine Zusatzausbildung im Wundmanagement und hat 20 Jahre Erfahrung in der Altenpflege.