Ein Sturz – was nun?

Das richtige Verhalten der Pflegekraft bei einem Sturz ist sehr wichtig. In diesem Artikel wird dieses Verhalten beschrieben und weitere hilfreiche Tipps bei Stürzen gegeben.

Direkt nach dem Sturz

Zuerst gilt es, Ruhe zu bewahren und diese auch auf den Gestürzten auszustrahlen. Die Bewusstseinslage des Gestürzten ist zu überprüfen. Dazu sollten Sie nach Schmerzen und Beschwerden fragen und bei Nichtreagieren die Vitalzeichen kontrollieren. Bei Bewusstlosigkeit den Bewohner in die stabile Seitenlagerung bringen und den Notarzt schnellstmöglich informieren. Bis zum Eintreffen des Notarztes kontinuierlich die Vitalzeichen, also RR, Puls, Pupillenreaktion, bei Diabetikern auch BZ, ermitteln.

Direkt nach dem Sturz steht der Gestürzte häufig unter Schock. Es ist wichtig, ruhig zu bleiben und Ruhe auszustrahlen.

Direkt nach dem Sturz steht der Gestürzte häufig unter Schock. Es ist wichtig, ruhig zu bleiben und Ruhe auszustrahlen.

Bei gutem Zustand weisen Sie den Gestürzten an, sich über den Vierfüßlerstand aufrichten oder helfen Sie ihm auf. Sollten Sie alleine nicht in der Lage sein, ihn aufzurichten, klingeln Sie nach Hilfe. Lassen Sie den Gestürzten aber keinesfalls alleine. Nachdem sich der Bewohner aufgerichtet hat, verständigen Sie auf jeden Fall den Arzt. Bleiben Sie eine Weile beim Klienten und achten Sie auf Anzeichen von Gehirnerschütterungen und sonstigen Auffälligkeiten.

Bei offenen Wunden oder Blutungen rufen Sie sofort den Notarzt. Decken Sie offene Wunden steril ab, stillen Sie die Blutungen bestmöglich.

Bei Verdacht auf eine Fraktur die Lage des Bewohners nicht verändern und sofort den Notarzt rufen. Sie könne dem Bewohner die Lage bis zum Eintreffen des Notarztes durch Wärmen mit Decken und das Unterschieben eines Kopfkissens erleichtern.

Nachbereitung des Sturzes

Alle Stürze, egal ob mit oder ohne Verletzungen, werden im Sturzereignisprotokoll und Pflegebericht dokumentiert. Nach jedem Sturzereignis sind zwei wesentliche Fragen zu beantworten:

  1. Warum geschah der Sturz?
  2. Was kann getan werden, um einen weiteren Sturz zu vermeiden?

Jedes Sturzereignis muss analysiert werden, bestenfalls mit anderen an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen. Regelmäßig sollte eine Auswertung des Sturzgeschehens auf der Ebene der gesamten Einrichtung geschehen. Erfasst werden sollten Häufigkeit, Umstände und Folgen der Stürze. Dies ist erforderlich, um langfristig Auswirkungen der Maßnahmen zur Sturzprophylaxe bewerten zu können. Dies ist unter anderem eine Funktion des PflegeOrganizer.

Der PflegeOrganizer beinhaltet ein Sturzereignisprotokoll nach Vorgaben des DNQP und eine Statistik zur Erfassung von Stürzen.

Der PflegeOrganizer beinhaltet ein Sturzereignisprotokoll nach Vorgaben des DNQP und eine Statistik zur Erfassung von Stürzen.

Im Sturzereignisprotokoll müssen laut Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege des DNQP folgende Angaben dokumentiert werden:

  • Demographische Angaben zur gestürzten Person
  • Einrichtung, Datum und Zeit des Sturzes
  • Gesundheitliches Befinden und Aktivität vor dem Sturz
  • Unmittelbare physische oder psychische Folgen des Sturzes (z. B. Schmerzen, Verunsicherung, Angst)
  • Unmittelbar eingeleitete Folgemaßnahmen (z. B. Arztbesuch, Operation, Kühlung)

Durch eine systematische und zuverlässig geführte Sturzerfassung erhält die Einrichtung ein realistisches Bild vom Ausmaß der Sturzproblematik. Nur so lässt sich internes Qualitätsmanagement betreiben. Durch die Auswertung der Stürze in Ihrer Gesamtheit können weitere wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, um eine Wiederholung des Sturzes zu vermeiden. Der PflegeOrganizer erstellt automatisch solche Statistiken und hilft dabei, die Pflegequalität nachhaltig zu verbessern.

Der Expertenstandard regelt die Intervalle der Einschätzung des Sturzrisikos nicht eindeutig. Sie sollen individuell auf die Situation des Bewohners abgestimmt werden, jedoch mindestens alle 3 Monate erhoben werden.

Prinzipiell muss nach jedem Sturz eine neue Sturzeinschätzung erfolgen. Auch bei wesentlichen Veränderungen im Gesundheitszustand des Bewohners, Verlegung in einen anderen Wohnbereich oder medikamentösen Änderungen sollte die Einschätzung erneut aufgestellt werden.

Notwendige Formulare nach DNQP:

  • Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege
  • Beratungsprotokoll
  • Sturzereignisprotokoll
  • Angaben zum Funktionsstatus vor dem Sturz
  • Informationsweitergabe bei Sturzgefahr im Pflegebericht und Nachrichtensystem
  • Sturzerfassung
  • Sturzanalyse

Generell gilt: Es ist besser einen Sturz zu vermeiden, statt mit den Folgen arbeiten zu müssen. Lesen Sie dazu unsere Artikel zum Thema Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege und unseren Gratis-Download zu Sturzprophylaxe.

Beate Müller

Frau Müller ist staatlich geprüften Krankenschwester mit Zusatzausbildung zur Fachschwester. Nach der Ausbildung zur Stationsleitung und 15 Jahren Erfahrung in der Intensivmedizin kam der Wechsel zur ambulanten Altenpflege. Frau Müller absolvierte eine Zusatzausbildung im Wundmanagement und hat 20 Jahre Erfahrung in der Altenpflege.