Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege DNQP 2013

Jedes Jahr stürzen in Deutschland mindestens 120 000 Menschen, Menschen über 65 stürzen durchschnittlich sogar einmal pro Jahr, dabei Frauen häufiger als Männer. Im Bereich der stationären Langzeitpflege ist dabei eine deutlich höhere Sturzinzidenz zu verzeichnen, das Problem ist in der Pflege akut. Nach Ergebnissen der schwedischen Beobachtungsstudie erleiden mindestens 40 % Bewohner innerhalb eines halben Jahres mindestens einen Sturz, bei Bewohnern mit Demenz sogar mindestens 62 %. Durch die Folgen von Stürzen entstehen Kosten von ca. 500 Millionen pro Jahr. Für den Betroffenen bedeutet ein Sturz zum Teil einen enormen Einschnitt in seine selbständige Lebensführung, vor allem durch den Verlust des Vertrauens in die eigene Fähigkeit.

Stürze und ihre Folgen sind zudem immer wieder Thema juristischer Auseinandersetzungen. Daher sind das Erkennen von Sturzrisiken und die daraus resultierende Pflegeplanung mit adäquaten Maßnahmen für jede Pflegeeinrichtung unerlässlich.

Der Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege DNQP hat zum Ziel, Pflegefachkräfte sowie Pflege- und Gesundheitseinrichtungen dabei zu unterstützen, Stürzen vorzubeugen und Sturzfolgen zu minimieren. Allerdings soll dies nicht durch Einschränkung der Bewegungsfreiheit erreicht werden, sondern vielmehr durch die Erhaltung oder Wiederherstellung größtmöglicher sicherer Mobilität, verbunden mit einer höheren Lebensqualität.

Implementierung des Expertenstandards Sturzprophylaxe in der Pflege DNQP

Der Expertenstandard richtet sich an alle Pflegefachkräfte, damit sind alle dreijährig ausgebildeten Pflegekräfte gemeint, sowie Fachkräfte, die über eine Hochschulqualifikation in einem pflegebezogenen Studiengang verfügen. Für eine erfolgreiche Implementierung des Expertenstandards ist eine gemeinsame Verantwortung der leitenden Managementebene und der Pflegefachkräfte eine wichtige Voraussetzung.

Die Einführung einer Sturzprophylaxe gemäß dem Expertenstandard des DNQP erfordert eine Abstimmung aller beteiligten Personen.

Die Einführung einer Sturzprophylaxe gemäß dem Expertenstandard des DNQP erfordert eine Abstimmung aller beteiligten Personen.

Von der leitenden Managementebene sind folgende strukturelle Voraussetzungen zu gewährleisten: Fortbildungen, Angebot von Interventionen ggf. in Kooperation mit anderen Anbietern und eine individuelle Umgebungsanpassung (Gestaltung des Bettplatzes usw.).

Die Pflegefachkraft hat die Aufgabe, sich aktuelles Wissen anzueignen, um Bewohner mit einem Sturzrisiko zu identifizieren und adäquate Maßnahmen einleiten zu können. Weiterhin soll Sie in der Lage sein, bei Bedarf zusätzliche Strukturen einzufordern und diese fachlich zu begründen.

Stürze sind Teil eines normalen Lebensrisikos, wer sich bewegt, hat zwangsläufig das Risiko zu stürzen. In der Pflege wird deshalb häufig gefragt, ob man wirklich jeden Sturz verhindern kann oder ob nicht doch immer ein Restrisiko bleiben muss. Andernfalls müsste man die Bewegungsfreiheit des Bewohners sehr stark einschränken, was ethisch nicht vertretbar ist. Daher bedeutet Sturzprophylaxe in erster Linie Risikominimierung.

Definition des Begriffes Sturz – was gilt es überhaupt zu vermindern?

Ein Sturz ist ein Ereignis, bei dem der Betroffene unbeabsichtigt auf dem Boden oder auf einer anderen tieferen Ebene aufkommt.

Hierbei sind auch Stürze gemeint, in deren Folge der Bewohner den Boden oder eine tiefere Ebene nicht mit dem ganzen Körper berührt, sondern dort z. B. sitzt oder hockt. Kann eine Pflegekraft einen Sturz soweit abfangen, dass keine Berührung des Körpers mit dem Boden entsteht, spricht man von einem Beinahe-Sturz. Dieser zählt ausdrücklich nicht als Sturz. Diese Beinahe-Stürze geben wichtige Hinweise auf zugrundeliegende Risikofaktoren des Bewohners, etwa in der Balance oder der orthostatischen Hypotonie, wie direkt nach dem Aufstehen. Daher ist die Hauptaufgabe der Pflege, Stürze und Schäden beim Bewohner nach neuesten Erkenntnissen Personen und situationsgerecht abzuwenden. Grundsätzlich gilt:

Risikominimierung beginnt mit der Erfassung der Risiken.

Im Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege ist eindeutig festgelegt, dass im Verlauf der Pflegeanamnese eine Erhebung von Sturzrisikofaktoren erfolgen muss. Unter einem Risikofaktor versteht man, wenn ein Problem nicht kompensiert ist oder nicht beeinflusst werden kann. Z. B. Ist eine Sehbeeinträchtigung nur dann ein Risiko, wenn der Bewohner mit seiner Brille nicht zurechtkommt.

Die Expertengruppe des DNQP, die den Expertenstandard Sturzprophylaxe formulierte, überprüfte verschiedene Skalen, um einzelne Risiken der Schwere nach einstufen zu können. Letztlich konnte sie keine spezielle Skala empfehlen. Daher fasste die Expertengruppe anerkannte Risikofaktorensysteme zusammen und teilte sie in drei Gruppen ein:

  • Personenbezogene Risikofaktoren
  • Medikamentenbezogene Sturzrisikofaktoren
  • Umgebungsbezogenen Sturzrisikofaktoren

Im Folgenden sollen die einzelnen Gruppen auf ihre Einzelheiten hin beschrieben werden.

Der PflegeOrganizer übernimmt die Sturzerfassung vollständig. Weiterhin erinnert die Pflegedokumentationssoftware Sie daran, wenn die Sturzrisikofaktoren nach DNQP2013 nicht erfasst wurden. Wenn vergessen wurde, bei bestehendem Sturzrisiko Prophylaxen in der Maßnahmenplanung zu erstellen und wenn nach einem Sturz keine neue Sturzrisikoerfassung erstellt wurde, wird die Pflegekraft ebenfalls automatisch benachrichtigt. Damit trägt die Software zu einem erheblich verbesserten Pflegeniveau bei und setzt den Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege nach DNQP möglichst genau um.

Der PflegeOrganizer übernimmt die Sturzerfassung vollständig. Die Pflegedokumentationssoftware erinnert daran, wenn die Sturzrisikofaktoren nach DNQP2013 nicht erfasst wurden, wenn vergessen wurde, bei bestehendem Sturzrisiko Prophylaxen in der Maßnahmenplanung zu erstellen oder wenn nach einem Sturz keine neue Sturzrisikoerfassung erstellt wurde.

Personenbezogene Risikofaktoren

Personenbezogene Risikofaktoren beinhalten eine Beeinträchtigung funktioneller Fähigkeiten, so z. B. eine Einschränkung in den Aktivitäten des täglichen Lebens. Weiterhin umfasst sie die Beeinträchtigungen sensomotorischer Funktionen und/oder der Balance, so beispielsweise Einschränkungen der Gehfähigkeit oder Balancestörungen. Weitere personenbezogene Risikofaktoren sind Depression, Gesundheitsstörungen, die mit Schwindel, kurzzeitigem Bewusstseinsverlust oder ausgeprägter körperlicher Schwäche einhergehen. Auch kognitive Beeinträchtigung (akut und/oder chronisch), Kontinenzprobleme, Sehbeeinträchtigungen, Sturzangst und eine Sturzvorgeschichte gehören zu den personenbezogenen Risikofaktoren.

Medikamentenbezogene Risikofaktoren

Die medikamentenbezogenen Risikofaktoren beinhalten psychotrope Medikamente, Antihypertensiva und Polypharmazie.

Umgebungsbezogene Risikofaktoren

Die umgebungsbezogenen Risikofaktoren beinhalten schließlich freiheitsentziehende Maßnahmen, Gefahren in der Umgebung, schlechte Beleuchtung, steile Treppen, mangelnde Beleuchtung, Stolperfallen wie Tiere oder Teppichkanten. Außerdem unebene Gehwege oder Straßen, mangelnde Sicherheitsausstattung wie Haltemöglichkeiten und Beleuchtung, Wetterverhältnisse und inadäquates Schuhwerk.

Lesen Sie im nächsten Artikel mehr dazur, wie sie aus den ermittelten Risikofaktoren eine Maßnahmenplanung gemäß dem Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege erstellen können. Beachten Sie für weitere Informationen bitte unseren Gratis-Download Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Altenpflege.

Beate Müller

Frau Müller ist staatlich geprüften Krankenschwester mit Zusatzausbildung zur Fachschwester. Nach der Ausbildung zur Stationsleitung und 15 Jahren Erfahrung in der Intensivmedizin kam der Wechsel zur ambulanten Altenpflege. Frau Müller absolvierte eine Zusatzausbildung im Wundmanagement und hat 20 Jahre Erfahrung in der Altenpflege.