Insulinarten bei Diabetes in der Altenpflege

Insulininjektion gehören zu den täglich Aufgaben des Pflegepersonals, da in Pflegeeinrichtungen ca. 40 Prozent der Diabetiker Insulin injiziert bekommen und diese Aufgabe beim Großteil der Patienten von den Pflegefachkräften übernommen wird. Häufig  können oder wollen die Senioren die Injektion nicht selbst ausführen, teils aus medizinischen Gründen, teils weil eine Insulintherapie mit großen Ängsten des Betroffenen verbunden ist. Zur Qualitätssicherung in der Pflege gehören daher Verfahrensanweisungen zur Insulininjektion und regelmäßige Schulungen.

Für viele Pflegekräfte ist der Pen das Werkzeug der Wahl zur Insulininjektion in der Altenpflege.

Für viele Pflegekräfte ist der Pen das Werkzeug der Wahl zur Insulininjektion in der Altenpflege.

Da Insulin ein aus Aminosäuren aufgebautes Eiweißmolekül ist, kann es nicht als Tablette eingenommen werden, da es sonst durch Enzyme und Magensäure zerstört würde. Aus diesem Grund muss Insulin (außer im Intensivmedizinischen Bereich) ins Unterhautfettgewebe injiziert werden. Laut dem Deutschen Diabetes-Forschungszentrum in Düsseldorf unterscheidet man 7 verschiedene Insulinarten:

Normalinsulin (Altinsulin)

Normalinsulin ist ein chemisch nicht modifiziertes Humaninsulin mit unverzögertem Wirkungsbeginn. Es kann auch i.v. injiziert werden.

Schnellwirksames Insulinanaloga

Insulinanaloga sind gentechnisch hergestellte Insuline mit besonders kurzem Wirkeintritt. Unter diese Gruppe fallen auch die Verzögerungsinsuline, der Wirkeintritt wird hier durch Verbindung mit den Substanze Zink,

Surfen oder durch Verwendung von Proinsulin verzögert.

NPH-Insuline (Neutral Protamin-Hagedorn-Insulin)

Durch Verbindung von Insulin mit der Substanz Protamin entsteht das NPH-Insulin, das eine verzögerte und verlängerte Wirkung ausübt. Diese Insulinart wird auch Intermediär Insulin genannt und ist das Standardinsulin zur Abdeckung des nahrungsunabhängigen Grundbedarfs.

Zink-verzögerte Insuline (Lente-Insuline)

Die durch die Verbindung von Insulinmolekülen mit Zink Ionen hergestellten kristallinen Insuline (Ultratard) haben eine Wirkdauer von 12-36 Stunden, daher ist  zur Deckung des Basisinsulinbedarfs meist nur eine Injektion am Tag notwendig.

Surfen-Insuline

Diese Insulinart wird heute nicht mehr oft verwendet, da an den Einstichstellen verstärkt Fettgewebsrückbildungen auftreten. Sie  entsteht durch die Verbindung von Insulin mit dem synthetischen Harnstoffabkömmling Surfen und ist ein Verzögerungsinsulin. In Deutschland wird diese Insulinart seit 2003 nicht mehr angeboten.

Mischung von Noramlinsulin mit NPH- Verzögerungsinsulin (Mischinsulin)

Diese Insulinart ist eine Mischung aus kurz und mittellang wirkenden NPH-Insulinen, oder Normal(Alt)Insulinen mit NPH-Verzögerungsinsulin.

Langwirkende Analog-Insuline

Die Wirkungsdauer bei den langwirkenden Analoginsulinen beträgt zwischen 16-30 Stunden, so dass nur eine Injektion täglich notwendig ist. Es erzeugt keine Wirkungsgipfel wie z.B. NPH-Insuline. Dies trifft auf das Langzeitinsulin Glargin zu, das erst seit wenigen Jahren auf dem Markt ist. Vor Anbruch sollte das Insulin im Kühlschrank bei 2-8 Grad gelagert werden, nach Anbruch bei Zimmertemperatur, jedoch nicht über 30 Grad, da sonst die Insulinaktivität abnimmt. Auf die Haltbarkeit muss geachtet werden (gebrauchte Insuline 1 Monat, auf Vorrat gelagerte Insuline ca. 30 Monate).

Unsere Pflegedokumentaionssoftware verschafft Ihnen eine Übersicht über verarbeichte Insulininjektionen.

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In Deutschland wird zur Insulininjektion zu über 90% der Pen verwendet, nur ca. 7% verwenden die Spritze. Bei den Spritzen sind verschiedene Insulinkonzentrationen zu unterscheiden die farbig gekennzeichnet sind. Spritzen für U40-Insulin haben eine rote Skala, Spritzen für U100-Insulin tragen eine orangene Skala. Pens enthalten immer U100-Insulin. Man unterscheidet  bei den Pens zwischen Einweg-  und Mehrweg-Pens. Zu beachten ist hier aber das Pen und Insulinpatrone zusammenpassen. Die Kanülenlänge sollte 5-8mm betragen. Vor der Injektion ist es wichtig das Insulin (bei klaren Insulinen wie Normalisulin und Analoginsulin ist dies nicht erforderlich) durch schwenken oder rollen zu mischen, damit eine korrekte Dosierung gewährleistet ist.

Bei der Auswahl der Injektionsstelle ist die Insulinart entscheidend, da je nach Injektionszone das Insulin mit unterschiedlicher Geschwindigkeit resorbiert wird. Wichtig ist, dass die Injektion immer ins Unterhautfettgewebe erfolgt und nie ins Muskelgewebe, da sonst das Risiko einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) besteht. Auch  in blaue Flecken, Narbengewebe, Schwangerschaftsstreifen, Lipohypertrophien , Entzündung und  Infektionen darf nicht injiziert werden, da die Insulinresorption hier verändert stattfindet.

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Beate Müller

Frau Müller ist staatlich geprüften Krankenschwester mit Zusatzausbildung zur Fachschwester. Nach der Ausbildung zur Stationsleitung und 15 Jahren Erfahrung in der Intensivmedizin kam der Wechsel zur ambulanten Altenpflege. Frau Müller absolvierte eine Zusatzausbildung im Wundmanagement und hat 20 Jahre Erfahrung in der Altenpflege.