Bausteine einer Maßnahmenplanung zur Sturzprophylaxe

Im vorherigen Artikel wurde ausgeführt, was der Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege ist und welche Risikofaktoren es gibt. Anhand der Sturzrisikofaktoren können gezielte Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen ergriffen werden. Eine konsequent durchgeführte, systematische Erfassung der Sturzrisikofaktoren und deren Dokumentation bildet die Grundlage für die Maßnahmenplanung. Aus den Sturzrisikofaktoren kann eine Maßnahmenplanung zur Sturzprophylaxe schließlich erfolgen. In diesem Artikel werden Bausteine vorgestellt, die in einer Maßnahmenplanung zur Sturzprophylaxe angewendet werden. Der PflegeOrganizer darüber hinaus sicher, dass alle Mitarbeiter über die vorliegenden Sturzrisikofaktoren informiert sind und ermöglicht eine ganzheitliche Sturzprophylaxe.

Mit den hier vorgestellten Bausteinen der Maßnahmenplanung zur Sturzprophylaxe können Sie einen genauen Maßnahmenplan erstellen.

Mit den hier vorgestellten Bausteinen der Maßnahmenplanung zur Sturzprophylaxe können Sie einen genauen Maßnahmenplan erstellen.

Zur konkreten Maßnahmenplanung informiert die Pflegefachkraft als ersten Schritt den Bewohner und ggf. seine Angehörigen über die festgestellten Sturzrisikofaktoren und bietet Informationen, Beratung und Schulungen an. Nach Ansicht der Experten der DNQP ist die Beratung und Kompetenz der Pflegefachkraft ein entscheidender Faktor für die Qualität der Sturzprophylaxe.

Beratungsgespräch mit dem Bewohner

Im Beratungsgespräch mit dem Bewohner sind die Informationen über das individuelle Sturzrisiko des Bewohners entscheidend, es ist wichtig zu erfassen, wie der Klient sich selbst einschätzt.

Ist die Selbsteinschätzung des Klienten weit von der objektiven Situation entfernt, sollte dies thematisiert werden. Weiterhin sollte jedes erfasste Sturzrisiko im Beratungsgespräch einzeln angesprochen werden, damit der Bewohner sich darauf einstellen kann. Als nächster Punkt wird das korrekte Verhalten nach einem Sturz thematisiert. Der Bewohner sollte Ruhe bewahren und nach Hilfe rufen oder klingeln.

Um in Alltagssituationen Stürze zu vermeiden, wird mit dem Bewohner die Benutzung von Hilfsmitteln wie dem Greifarm geübt. Außerdem wird das richtige Verhalten in einer hektischen Situation, also wenn die Blase drückt oder das Telefon läutet, einstudiert.

Rollstuhlfahrer werden in besondere Sicherheitsmaßnahmen eingewiesen. Dazu gehört das Feststellen der Bremse nach dem Ein-und Aussteigen, eine regelmäßige Überprüfung des Rollstuhls und unter Umständen die Ausstattung des Rollstuhls mit einer rutschfesten Sitzauflage.

Korrekte Kleidung kann das Sturzrisiko weiter vermindern. Feste Schuhe, geschlossenen Hosen und nicht zu lange Röcke unterstützen die Balance der Bewohner.

Weiterhin ist abzuwägen, ob die Bewohner den Aufzug statt der Treppe benutzen sollten, da an Treppen häufig schwere Stürze passieren.

Die pflegerische Beratung

Die pflegerische Beratung umfasst auch die Absprache mit anderen Berufsgruppen wie Ärzten, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten. Die Auswertung von Sturzprotokollen sollte neben den Sturzrisikofaktoren bei der Maßnahmenplanung berücksichtigt werden. So lassen sich in vielen Fällen Sturzquellen und Sturzursachen ausfindig machen und beseitigen. Wenn möglich sollte der Bewohner aktiv in den Entscheidungsprozess der Maßnahmenplanung und Sturzverhinderung eingebunden sein. Die Inhalte und Ergebnisse der Beratung müssen in der Pflegeplanung, den Pflegeberichten und Beratungsprotokollen festgehalten sein. Selbstverständlich müssen Sturzgefahren durch Arbeitsprozesse wie Reinigungsarbeiten, Essens- oder Pflegewägen auf dem Gang, blockiere Handläufe oder Anlieferungen von Waren oder Reisetaschen ausgeschlossen sein.

Bei langem Aufenthalt in einem anderen Umfeld, wie im Krankenhaus oder im Urlaub, erweist es sich als vorteilhaft, die Sturzrisikoerfassung, die verwendeten Hilfsmittel zur Sturzprophylaxe und Maßnahmen dem Betreuenden mitzuteilen.

Mit dem PflegeOrganizer können Sie die Sturzrisikofaktoren nach DNQP 2013 erfassen.

Mit dem PflegeOrganizer können Sie die Sturzrisikofaktoren nach DNQP 2013 erfassen.

Maßnahmenplanung zur Sturzprophylaxe mit dem Bewohner

Bei Sturzrisikofaktoren, welche durch Maßnahmen nicht oder nur wenig beeinflusst werden können, liegt der Schwerpunkt auf Beobachtung und allgemeinen prophylaktischen Maßnahmen zur Verbesserung von Gleichgewicht und Mobilität. Hierbei gibt es verschiedene empfehlenswerte Interventionsarten.

Einzelinterventionen

Einzelinterventionen sind Interventionen, die in keinen größeren therapeutischen Kontext eingebunden sind. Physiotherapeutische Übungen wie Kraft und Balanceübungen sowie körperliches multidimensionales Training können eine große Hilfe sein. Weiterhin ist eine Medikamentenanpassung bei Medikamenten, die zu Stürzen führen können, von großem Nutzen. Dazu gehören Antidepressiva, Neuroleptika, Sedative, Hypnotika und Benzodiazepine. Da viele Stürze am Bett passieren, ist dieser Bereich wichtig für die Sturzprophylaxe. Niedrigbetten sind zur Vorbeugung von Stürzen sinnvoll, Identifikationsarmbänder und Bettalarmsysteme können nach einem Sturz Schlimmeres vermeiden. In einigen Fällen ist es auch sinnvoll, dem Bewohner das Tragen von Hüftprotektoren vorzuschlagen. Gerade hier sollten die persönlichen Vorlieben des Bewohners unbedingt Beachtung finden.

Multimodale Interventionsprogramme

Multimodale Interventionsprogramme therapeutisch aufbereitete Kombinationen einzelner Maßnahmen. Dazu gehören allgemeine Umgebungsanpassung wie Haltegriffe, Toilettensitzerhöhung und Antirutschmatten. Eine häufig übersehene Gefahrenquelle ist die, dass Bewohner nicht richtig sehen können. Hier müssen Sehbeeinträchtigungen entfernt werden. Dies geschieht durch das Ermutigen, die Brille aufsetzen, die richtige Sehschärfe zu ermitteln und die Brille an persönliche Wünsche anzupassen.

Schulung und Beratung des Bewohners können viel bewirken. Eine Anleitung zur Vermeidung von Blutdruckabfällen, Übungen zur Benutzung des Toiletten-Stuhls und Einüben des Betttransfers sind häufige Beispiele. Verbreitet sind auch verhaltensbedingte Sturzgefahren, die bei jedem Bewohner individuell ausgemacht werden müssen. Hierfür bietet sich ein Verhaltenstraining an.

Eine Anpassung des Schuhwerks bei Fußproblemen kann dem Bewohner zu neuer trittfeste verhelfen und ist bei Gleichgewichtsproblemen sinnvoll.

Weiterhin sehr wichtig sind Hilfsmittel, die dem Bewohner den Alltag erleichtern.

Mobilitäthilfsmittel erleichtern das Gehen, den Transfer oder den Lagerungswechsel. Häufig sind sie Bestandteil der barrierefreien Ausstattung der Pflegeeinrichtung. Dies können sein: Unterarmstützen, Gehstöcke, Rollatoren, Antirutschsocken, Lifter, Bettnester oder Niedrigbetten, Haltegriffe und Toilettensitzerhöhungen.

Unter schützenden Hilfsmitteln versteht man hauptsächlich Protektoren. Der Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege des DNQP 2013 befürwortet nur den Hüftprotektor. Nur in Ausnahmefällen wird zu Sturzhelm und Rückenprotektor geraten. Prinzipiell sind die Studien zu Protektoren in der stationären Langzeitversorgung uneinheitlich und der Nutzen umstritten.

Technische Hilfsmittel zur Sturzprophylaxe sind wenig verbreitet und gebräuchlich. Sie sind mit Sicherheit bei täglichen Aufgaben hilfreich, aber kein Ersatz für menschliche Zuwendung. Verbreitet sind: Greifzangen, Sessel mit Aufstehhilfen, Sensormatten, Bewegungsmelder und Fernsteuerungen.

Lesen Sie im nächsten Artikel, wie anhand der vorgestellten Interventionsprogramme und Hilfsmittel ein Maßnahmenplan nach dem Expertenstandard Sturzprophylaxe aufgestellt wird. Beachten Sie für weitere Informationen bitte unseren Gratis-Download Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Altenpflege.

Beate Müller

Frau Müller ist staatlich geprüften Krankenschwester mit Zusatzausbildung zur Fachschwester. Nach der Ausbildung zur Stationsleitung und 15 Jahren Erfahrung in der Intensivmedizin kam der Wechsel zur ambulanten Altenpflege. Frau Müller absolvierte eine Zusatzausbildung im Wundmanagement und hat 20 Jahre Erfahrung in der Altenpflege.